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Fast Fasnacht

February 3, 2018

 

Es ist fast Fasnacht. Und zum ersten Mal überhaupt blicke ich dieser nervigen, närrischen Zeit schon fast gelassen entgegen. Denn nach einem Jahr in San Francisco kann mich nichts mehr überraschen. Und erst recht nicht schockieren. Das war noch anders, als ich damals vom ländlichen Aargau in das liberale Castro-Viertel zog: Wenn ich hier im Herzen San Franciscos aus dem Fenster schaue, sehe ich an einem normalen Tag mehr Nackte als Leute im Anzug. Ich sehe 70-jährige Kriegsveteranen, die an der Ecke rumschmusen, dazu viele Dragqueens und unzählige Regenbogen.

 

Ein paar Querstrassen weiter dominieren Blumen und Batik: Im Haight-Ashbury-Viertel hat vor 50 Jahren der «Summer of Love» eine ganze Generation geprägt. Und auch heute schwebt man dort an Strassenfesten durch Marihuana-Wolken an alten Hippies und jungen Hipstern vorbei. Steeldrum statt Guggenmusik.

 

Extremeres sieht man an der «Folsom Street Fair» – eine jährliche Strassenparty, die mehrere hunderttausend Fetischisten nach San Francisco lockt. Auch bei diesem Anlass geht es um die freie Liebe, welche sich aber weit weniger farbig präsentiert als im Hippie-Viertel: Hier trägt jeder Leder. Es werden Frauen in Sadomaso-Manier auf offener Strasse nackt aufgehängt, ausgepeitscht und dann stöhnend liegen gelassen. Gleichzeitig masturbieren Männer auf einem Balkon und spritzen ihre Samen in die jubelnde Menge. Fast wie Konfetti.

 

Etwas weniger kontrovers ist der «Bay to Breakers». An diesem Rennen nehmen jeweils ein paar hundert Sportler teil. Und neben diesen Läufern auch noch 50000 weitere Personen – meist kostümiert, fast immer betrunken –, die den Wettkampf etwas weniger ernst nehmen. Es ist ein Fasnachtsumzug ohne Wagen.

 

Auch in der Weihnachtszeit verkleidet man sich: Anlässlich der «Santa Con» ziehen Tausende Weihnachtsmänner mit Bier und Bart von Bar zu Bar. Bis zum Morgen- oder bis zum Zapfenstreich.

 

Nach all diesen Veranstaltungen und Verkleidungen wirkt die Schweizer Fasnacht plötzlich gar nicht mehr so schlimm. Vielleicht werde ich dieses Jahr sogar selber einen Fasnachtsball besuchen. Unterdessen traue ich mir das zu; San Francisco hat mich abgehärtet.

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