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Weihnachtsfeier

December 23, 2017

 

Es sei die beste Stadt der Welt, betont mein Kollege Chris jeweils: «Mit Abstand – mit grossem Abstand.» Für Programmierer ist San Francisco tatsächlich ein Schlaraffenland. Hier suhlen sie sich in der homogenen Masse und geniessen das lauschige Leben in der Filterblase. Nur an einer Sache stört sich Chris – und mit ihm viele andere Programmierer: Es gibt nur wenige Frauen. Und viele der wenigen sind bereits vergeben.

 

Dass Männer die Tech-Branche dominieren, ist ein Fakt – und ein strukturelles Problem, das weit über die Single-Sorgen von Chris hinausgeht. Eindrücklich zeigt sich das an den Firmenfesten, an denen die gesamte Belegschaft teilnimmt. Deshalb haben Tech-Unternehmen schon vor Längerem damit begonnen, weibliche Models als Gäste für solche Veranstaltungen zu engagieren. Man zahlt ihnen bis zu 200 Dollar pro Stunde, damit sie sich unter die Gäste mischen, Konversation machen und für «Ambiance und Atmosphäre» sorgen. In einem Vertrag ist festgelegt, wie weit sie gehen dürfen, wie weit sie gehen müssen und was sie auf kritische Fragen antworten sollen. Häufig erfindet man für sie sogar einen Lebenslauf. Diese Praxis ist im Silicon Valley seit Jahren ein offenes Geheimnis. Trotzdem sorgte ein Artikel, den «Bloomberg» vor kurzem dazu veröffentlichte, für viel Empörung.

 

Seit nämlich Me too ins Tal der Träume eingeschlagen hat und viele Machos von ihrem hohen Ross – und aus ihrem bequemen Chefsessel – katapultiert wurden, ist einiges anders geworden. Diskussionen über Sexismus und Gleichberechtigung sind mittlerweile omnipräsent. Die Tech-Branche hat Besserung gelobt und ist merklich vorsichtiger geworden. Aber doch noch nicht vorsichtig genug, um an der Weihnachtsfeier auf kurze Röcke und lange Haare zu verzichten. Dafür stecken die Tech-Konzerne zurecht Kritik ein. Selbst von meinem Kollegen Chris, der das genauso unangebracht findet wie die meisten im Silicon Valley. Einen positiven Nebeneffekt sieht der Programmierer trotzdem an den bezahlten Partygästen: «Wenn ich jetzt bei einer Frau abblitze, kann ich mich immerhin damit trösten, dass sie dazu wohl vertraglich verpflichtet war.»

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