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Jeder Ether zählt

November 26, 2017

Ihm habe das Studium überhaupt nichts gebracht, sagt mein Mitbewohner Kartik. «Ausser natürlich einige gute Freunde, Party-Anekdoten und ein paar hunderttausend Dollar.» Wie fast jeder Techie im Silicon Valley vertritt der 24-Jährige die Meinung, dass ein Hochschulabschluss durch das Internet obsolet geworden sei. Alles Wichtige finde man heutzutage im World Wide Web – so lautet die weitverbreitete Meinung. Nur etwas tröstet den Kanadier deshalb darüber hinweg, dass er vier Jahre «für dieses Studium verschwendet» hat: Im Gegensatz zu seinen Kollegen sitzt er nicht auf einem Schuldenberg, sondern auf einem Haufen Geld.

 

Kartik ist nicht durch seine guten Noten reich geworden, nicht durch seine Eigeninitiative oder seinen Nebenjob. Kartiks Vermögen stammt von seinem Banknachbarn: Während der Informatik-Vorlesungen an der Waterloo-Universität sass er nämlich neben niemand Geringerem als Vitalik Buterin. Der Russe war damals noch ein unbekannter Nerd – heute gilt der 23-Jährige als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt. Vitalik Buterin hat die Computerplattform Ethereum entwickelt. Diese basiert ähnlich wie die Kryptowährung Bitcoin auf der Blockchain-Technologie und gilt in vielen Kreisen als wichtigste digitale Revolution des vergangenen Jahrzehnts.

 

Als Banknachbar war Kartik einer der Ersten, welche von Vitaliks Plänen erfahren haben. Und er war einer der Ersten, welche in die neue Kryptowährung investierten: «Ich fand es spannend und habe deshalb ein paar hundert Dollar eingesetzt», erklärt Kartik heute mit breitem Grinsen. Es sollte zur besten Entscheidung seines Studiums werden. Denn der Wert der digitalen EtherCoins, welche er damals für weniger als einen Dollar pro Stück kaufte, hat sich unterdessen vervierhundertfacht. Dank Vitalik Buterin hat mein Mitbewohner ein Vermögen verdient. Zwar nicht so viel wie der Gründer selbst, der heute Coins im Wert von rund 220 Millionen besitzt, aber genügend, um widerwillig zuzugeben, dass ein Studium doch sinnvoll sein kann: «Solange man nicht seinem Professor zuhört, sondern seinem Banknachbarn.»

 

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