February 3, 2018

January 6, 2018

December 23, 2017

December 10, 2017

November 26, 2017

November 12, 2017

October 29, 2017

October 15, 2017

September 30, 2017

September 16, 2017

Please reload

Aktuelle Einträge

Haushaltshilfe

October 15, 2017

 

 

Zum Glück sind meine Mitbewohner faul. Und reich. Weil sie sich ihr Abendessen meist vom Restaurant liefern lassen – typisch Silicon Valley –, bin ich der Einzige, der unsere Küche benutzt. Deshalb muss ich mich nie mit fremdem, dreckigem Geschirr herumschlagen, nie hinter meinen Mitbewohnern herräumen und nie hinter ihrem Rücken über sie herziehen. Mein Kollege Nick, der einige Querstrassen entfernt wohnt, hat es in seiner WG um einiges schwerer. Dort kochen alle. Und niemand wäscht ab.

 

Wie es in seiner Wohnung zugeht, weiss ich zwar nur von Fotos. Aber sie genügen, um den Ernst der Lage zu begreifen: Bereits vor Monaten hat mir der Amerikaner erstmals Bilder gezeigt von den leeren «Chuchichäschtli» und dem übervollen Lavabo, in welchem sich regelmässig der gesamte Kücheninhalt stapelt: «Wer etwas kocht, nimmt alles Nötige aus dem Stapel, wäscht es ab und legt es, wieder dreckig, zurück. So wiederholt sich das ständig», erklärte Nick im Frühling. Weder Ermahnungen noch Ämtli-Listen haben je etwas gebracht.

 

Unterdessen hat Nick die Lösung für sein Problem gefunden. An der Küchendecke hängt jetzt eine Videokamera: Wer nicht abwäscht, zahlt 20 Dollar Busse – dem haben alle Mitbewohner zugestimmt. Anfangs hatte die Strategie tatsächlich einen gewissen Erfolg, aber im Tal von Google und Facebook, wo man sich Überwachung mehr als gewohnt ist, liess der Einschüchterungsfaktor schnell nach. Und Nick hatte schlicht keine Lust und keine Zeit, bei jedem dreckigen Teller die kompletten Aufzeichnungen durchzugehen. Deshalb hat er das Ganze automatisiert – typisch Silicon Valley. Die Kamera hat Nick mit einem selber programmierten Bildanalyse-Programm verknüpft, das merkt, sobald dreckiges Geschirr im Lavabo liegt.

 

Über Gesichtserkennung wird der Verantwortliche ermittelt. Es folgt eine Warnung durch einen Facebook-Chatbot, und wenn das Geschirr nach einer halben Stunde noch dort liegt, wird automatisch die Monatsmiete um 20 Dollar erhöht. Seither, so Nick, komme auch er in den Genuss einer sauberen Küche. Dafür musste er nur ein Miniaturmodell vom Silicon Valley der Zukunft entwerfen.

Please reload