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In den Armen von Karl

August 5, 2017

 
Nach den Ferien in der Schweiz habe ich mich eigentlich auf die Rückkehr nach San Francisco gefreut – auf die Kollegen und die Mitbewohner. Aber bevor ich irgendjemand von ihnen zu Gesicht bekomme, bevor ich überhaupt meine Wohnung betrete, sehe ich Karl. Und meine gute Laune ist ruiniert. Denn Karl ist zwar stadtbekannt, aber so richtig gemocht wird er von niemandem. Während den Sommermonaten trifft man ihn fast täglich hier in San Francisco, wo er abends zwischen den Hochhäusern rumhängt und ziellos durch die Gassen zieht. Seit Monaten habe ich ihn nicht mehr gesehen – und deshalb bin ich auch ziemlich überrascht, dass Karl jetzt langsam auf mich zukommt. Dass er mich wortlos umarmt und sich dann sanft in meinen Mund schiebt, um sich von dort in meinem ganzen Körper auszubreiten.

Karl: So nennt man in San Francisco den weltbekannten Nebel der Stadt. Dieser macht den August hier sprichwörtlich zum „Fog-ust“ und den Juli zum „No-Sky-July“. Die spektakulären Bilder der Golden Gate Bridge, auf denen nur noch die roten Brückenpfeiler aus dem Nebelmeer ragen; das ist Karl. Der Advektionsnebel ist berühmt-berüchtigt, er ist aber vor allem von allen verhasst. Und zwar nicht nur von den Touristen, die oftmals wieder von San Francisco abreisen ohne die populäre Brücke auch nur ansatzweise gesehen zu haben, sondern auch von den Locals, die täglich in ihrem Zuhause eingenebelt werden.

Seit einigen Jahren ist Karl aber daran, seinen ramponierten Ruf aufzubessern. Und das macht er – wie könnte es im Silicon Valley anders sein? – mit Hilfe von sozialen Netzwerken. Karl ist nämlich ein aktiver Twitterer. Auf der Plattform hat er derzeit rund 240 000 Follower – vier Mal mehr als der Bürgermeister von San Francisco. Und diese politische Verantwortung nehmen Karl und sein anonymer Sprecher, von dem der Nebel überhaupt erst seinen Namen hat, auch wahr: Fast täglich tweetet der Account über regionale, aber auch nationale politische Vorkommnisse. Das macht er so unterhaltsam, dass @KarlTheFog zu einem der beliebtesten Twitter-Accounts im Silicon Valley geworden ist. Und das sorgt dann auch dafür, dass mein Wiedersehen mit Karl, dem grauen Griesgram und dem Vorbild aller Social-Media-Redaktoren, gar nicht so schlimm ist.

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