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Schwarzfahrer

July 22, 2017


Meine Hände sind feucht, mein Herz rast. Dass ich gleich ohne Billett in den Bus einsteigen werde, macht mich nervös. Natürlich weiss ich, dass die Fahrt zwischen Villmergen und Wohlen nur fünf Minuten dauert; dass nur gefühlt einmal pro Halbjahr ein Kondukteur mitfährt. Trotzdem ist mir die Situation unangenehm. Es ist mein erster Tag wieder zurück in der Schweiz. Natürlich will ich ein Billett lösen. Aber weil ich die Updates der SBB-App verpasst habe, funktioniert das nicht mehr digital. Weil ich erst gerade aus Kalifornien zurückgekommen bin, habe ich nur ein paar Dollar im Portemonnaie. Und weil ich auf dem Land wohne, hat es keinen Billettautomaten, an dem ich mit Karte zahlen könnte.Verzweiflung macht sich breit. Und das nicht zum ersten Mal.

Schon vor einem halben Jahr, als ich zurück in die Schweiz kam, war ich ein Tag nach meiner Ankunft in der exakt selben Situation. Damals stieg ich ebenfalls ohne Billett, dafür mit schlechtem Gewissen in den Bus nach Wohlen – und war geschockt, als tatsächlich zwei Kondukteure vor mir standen. Ich erklärte ihnen, dass ich erst gerade aus den USA zurückgekommen sei, dass ich zwar ein Billett lösen wollte, aber nicht konnte. Das glaubten sie mir und liessen mich ziehen. Seither habe ich nicht mehr an diesen Vorfall gedacht. Zumindest bis ich jetzt wieder ohne Billett in den Bus nach Wohlen steige – und, man glaubt es kaum, erneut zwei Kondukteure vor mir stehen. Da war sie also wieder; die gefühlt halbjährliche Kontrolle ziemlich genau ein halbes Jahr nach meiner letzten Busfahrt.
 

Ich hole tief Luft und erkläre mit denselben Worten wie damals, wieso ich kein Billett kaufen konnte. Je länger ich erzähle, desto breiter wird das Grinsen auf dem Gesicht des einen. Erst dann merke ich: Es ist derselbe Kondukteur wie vor einem halben Jahr. «Diese Geschichte haben Sie mir doch schon mal erzählt», sagt er. Ich gerate in Panik, probiere mich zu rechtfertigen, suche sogar das Flugbillett. Aber er winkt ab, wünscht mir eine schöne Zeit in der Schweiz. So viel Menschlichkeit bin ich mir aus dem Tal, wo das Leben von einem Algorithmus diktiert wird, nicht gewohnt. Danke, lieber Kondukteur – und bis in einem halben Jahr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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