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Von Papa Tony und Uncle Sam

June 24, 2017


Eine italienische Pizza hatte ich erwartet, drei amerikanische Polizisten wurden geliefert. Als ich vergangene Woche unsere Haustüre öffnete, begrüsste mich nicht wie sonst ein Bote von «Papa Toni», dem besten Pizzaiolo San Franciscos, sondern einer von «Uncle Sam», dem amerikanischen Staat. «Bist du William LeGate?», fragt er mich. Ich schüttle den Kopf. «Wohnt er hier?» Nein. «Kennst du ihn?» Auch nicht. Die Polizisten schauen mich kritisch an und fragen, ob sie sich in unserer Wohnung umschauen können – sie hätten gehört, dass William hier in Gefahr sei.
 

Ich bin völlig verwirrt, aber lasse sie natürlich gewähren. Nach einer Viertelstunde verabschieden sich die Ordnungshüter wieder und ich frage bei meinen Mitbewohnern nach, was das zu bedeuten hatte. Diese schaffen Klarheit: William LeGate hat vor drei Jahren hier gelebt, wohnt aber unterdessen in Los Angeles. Dass die Polizei sich für ihn interessiert, überrascht niemanden. Denn in den vergangenen Monaten hat sich der Jungunternehmer zum «Staatsfeind Nummer 1» entwickelt – zumindest für republikanische Twitter-Nutzer: Auf der Plattform ist @WilliamLeGate einer der Anführer im digitalen Kampf gegen Donald Trump. Ein Sprachrohr aller Aktivisten. Sobald der Präsident einen Tweet veröffentlicht, schiesst William jeweils zurück und deckt den Präsidenten mit politischen Vorwürfen ein.

Dafür erntet er Tausende Likes und Retweets, dazu Bekanntheit im ganzen Web. Das reicht, um vom Präsidenten höchstpersönlich blockiert zu werden. Das reicht auch, um sich eine unendlich lange Liste an Feinden zu schaffen. William wird im Internet konstant beschimpft, bedroht, und seine ganze Familie leidet unter Telefon-Terror. Besonders skurril: Die Fotomontage, welche den 22-Jährigen mit riesigen falschen Brustwarzen zeigt und von rechten Medien als #NippLeGate betitelt wurde.
 

Amerika ist gespalten – William illustriert das eindrücklich. Wieso die Polizei aber unsere Wohnung durchsuchte, das wissen wir nicht: Machte sich jemand ernsthaft Sorgen um den Twitterer? Oder war es eine feindselige Aktion von seinen Gegnern? Unter Umständen kann William selber ja mehr darüber erzählen, deshalb haben wir uns dieses Wochenende in L.A. zum Nachtessen verabredet: Vielleicht mit Pizza, hoffentlich ohne Polizisten.

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