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Das Platzproblem

April 1, 2017


Manchmal steigt mir das Silicon Valley zu Kopf. Ja, manchmal stecken mich meine amerikanischen Kollegen mit ihrer Überzeugung an, dass jedes Problem locker lösbar ist, wenn man nur den richtigen Algorithmus findet. Aber immer wenn ich in die lebensfernen Sphären der Visionäre und Weltverbesserer abzuheben drohe, dann holt mich spätestens am Monatsersten die Mietrechnung auf den Boden der Tatsachen zurück. Auf diesen überteuerten, umstrittenen und so verdammt harten Boden hier in San Francisco. Denn die Technologie-Firmen im Silicon Valley haben SF zu einer der teuersten Städte auf der Welt gemacht.

Genau das hat auch mein früherer Mitbewohner Daniel drei Jahre lang am eigenen Leib erfahren müssen. Zwar hat er mit 1000 Franken Miete – in San Francisco ist das ein Schnäppchen – viel weniger für sein WG-Zimmer bezahlt als der Rest von uns. Dafür hat er aber nicht in einem Zimmer gelebt, sondern in einem Kleiderschrank. Nein, kein metaphorischer Schrank, aus dem man irgendwann mit neuen Überzeugungen und neuem Partner herauskommen kann. Daniel hat für 1000 Franken pro Monat tatsächlich drei Jahre lang in unserem zwei Quadratmeter kleinen Kleiderschrank gelebt, in dem er knapp ausgestreckt liegen und sich mit Glück ein halbes Mal drehen konnte. So ein Schrank schränke schon ein, hat er mir mal erzählt, «aber etwas Billigeres findet man hier halt nicht». Daniel hat recht: Wer in San Francisco für weniger als 1000 Dollar leben will, der schläft im Zelt, im Auto oder direkt am Arbeitsplatz. Je weniger Platz man braucht, desto billiger wird es. Wer in der kalifornischen Grossstadt gross statt klein ist, der muss entweder genügend verdienen oder seine Standards überdenken.

Im vergangenen Oktober ist dann übrigens auch noch Daniels Freundin bei ihm eingezogen, zumindest bis ihr gemeinsames Startup im Januar endlich rentabel wurde und sie sich ein eigenes Zimmer im Nachbarshaus geleistet haben. Solche Geschichten sind im Silicon Valley exemplarisch: Denn wegen der ungeheuerlichen Immobilienpreise führt der steile Karriere-Aufstieg hier nicht etwa vom Tellerwäscher zum Multimillionär, sondern vom Kleiderschrank zur Dreizimmerwohnung.

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